Erinnerung sichtbar machen
Seit Anfang des Schuljahres beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Rahmen eines Geschichtsprojektes zum Thema „Erinnerungskultur” mit den Biographien von Eva und Fritz Michaelis, Rita und Wolfgang Baur, Josef Hermann Liebenstein und Siegfried Hellmann – jüdische Bürger aus Mühldorf, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Sie alle waren sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht von Diskriminierung und Diffamierung betroffen, wurden entweder zur Flucht gezwungen oder in Konzentrationslagern inhaftiert. Siegfried Hellmann wurde am 2. September 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Angeregt wurde die Beschäftigung mit den Schicksalen dieser Menschen von Stadtarchivar Edwin Hamberger, der die geplante Verlegung der Stolpersteine in Mühldorf durch den Künstler Gunter Demnig vorstellte. Er lieferte historische Informationen zu den Biographien und unterstützte die Arbeit der Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrkräften Elisabeth Plomer und Michael Kunze. Auf dieser Basis verfassten die Schülerinnen und Schüler dann eigene Texte, in denen sie sich mit den Biographien dieser Menschen auseinandersetzten und sich die Frage stellten, wie sich der Nationalsozialismus auf den Alltag und das Familienleben der Betroffenen ausgewirkt haben musste.
Die Stolpersteine wurden am 11. Oktober 2026 an den ehemaligen Wohnorten der Menschen in Mühldorf verlegt. Auf der würdigen und berührenden Gedenkveranstaltung trugen die Schülerinnen und Schüler ihre Texte vor und zeigten dabei ihr Verständnis für eine tragfähige Erinnerungskultur, denn wie es in einem der Beiträge heißt, bedeutet Erinnerung,
„[...] dass hinter jedem Datum und jedem Namen ein Mensch mit einer eigenen Geschichte steht. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Erinnerung ein Teil unseres Alltags bleibt. Denn wenn wir aufhören, uns zu erinnern, besteht die Gefahr, dass die Geschichten dieser Menschen verblassen und mit ihnen auch die Verantwortung, aus der Erinnerung zu lernen. Wir erinnern uns also nicht nur an die einzelnen Menschen, die hier gelebt haben, sondern auch daran, welchen Wert Menschlichkeit, Respekt und Zusammenhalt heute haben.”
(Magdalena Schranner, Freija Huber, Lilith Grindinger)
Als sichtbares Zeichen der Erinnerung befinden sich die Stolpersteine vor den früheren Wohnhäusern an folgenden Adressen in Mühldorf:
Stadtplatz 68 zum Gedenken an Fritz und Eva Michaelis
(Beitrag von Magdalena Schranner, Freija Huber, Lilith Grindinger)Bräugasse 34 zum Gedenken an Rita und Wolfgang Baur
(Beitrag von Sina Ebermann, Johannes Pramps, Dolores Vlahovic)Innere Neumarkter Straße 14 zum Gedenken an Josef Hermann Liebenstein
(Beitrag von Juliane Hermann, Emilija Lucic)Friedrich-Ebert-Straße 16 zum Gedenken an Siegfried Hellmann
(Beitrag von Laura Hausner, Amelie Egre)
Nicole Sinz, Fachschaftsleiterin Geschichte